Ziemlich fettes Kino
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mehr »Über Jahre hat er als Spitzenagent sein Land, seine Majestät verraten, an den Erzfeind, die Sowjets. Politik spielte dabei keine Rolle. "Der Westen", sagt er, "ist so hässlich geworden".
Dass er recht hat, das ist eine der Geschichten, die Tomas Alfredson nebenbei erzählt in seiner grandiosen Neuverfilmung von John le Carrés Agentenklassiker "Dame, König, As, Spion".
Wir schreiben das Jahr 1973. Und der Westen, in der Alfredson seine Agentengeschichte ihren ziemlich bürokratischen Gang gehen lässt, ist grützengrün, ist bräunlich und orange. Der kalte Krieg hängt wie ein Schleier von Rauch über allem, über den Lampen, den seltsamen Sesseln. Nicht nur in Sachen Ästhetik aber ist Alfredson dem Spion, der die Frau seines Kollegen liebte und seine Majestät verriet, nahe. Auch bei Alfredsons Entscheidung, le Carrés Anti-Bond George Smiley gut dreißig Jahre nach dem legendären Fernsehmehrteiler mit Alec Guiness als Smiley neu zu verfilmen, spielte Politik so gar keine Rolle. Es geht in "Dame König As Spion" nicht um Utopien, nicht um Weltentwürfe, nicht um den Kampf der Systeme. Alles nur noch die Erinnerung, ein Spiel.
Einer weiß, dass es mal anders war. Eine gigantische Brille trägt er, er sieht alles sehr genau. Man sieht ihm beim Sehen und beim Denken zu. George Smiley heißt er. Ein Frührentner des Spionierens. Gary Oldman ist George Smiley. Er tut nicht viel. Ein Gestenökonom. Der kalte Krieg ist ihm derart in die Glieder gefahren, dass nur minimale Bewegungen davon zeugen, was in ihm arbeitet. Ein großer Denker, gefangen in einem schockgefrosteten Körper. Noch nie hat Denken im Kino so cool ausgesehen wie bei ihm.
Er soll einen Maulwurf an der Spitze des MI 6, genannt Zirkus, ausheben. Ziemlich allein ist Smiley damit im bürokratischen Labyrinth, das sich Geheimdienst nennt. Einen Watson hat Smiley an seiner Seite. Peter Guillam heißt er. Gespielt wird er vom fabelhaften Sherlock-Holmes-Darsteller Benedict Cumberbatch.
Sie reden. Sie fragen. Sie denken. Sie rauchen. Viel mehr Action hat es nicht. Die wichtigste Bewegung ist der Zeitsprung. Ansatzlos baut Alfredson Rückblenden ein. Es ist eine komplizierte Geschichte, man kann den Überblick, kann sich selbst verlieren. Immer aber hat man das Gefühl, egal, was geschieht, es wird schon gut werden mit diesem Film. "Dame, König, As, Spion" hat einen bezwingenden, leichten, gleichzeitig beunruhigenden Rhythmus, der einen über alles trägt, irritiert, unter Spannung setzt und tröstet. "Vertraue niemandem" ist das Motto der Spione. Für diesen Film sollten sie eine Ausnahme machen. Ihm ist unbedingt zu vertrauen.
Agententhriller: F/GB 2011 127 Min., von Tomas Alfredson, mit Gary Oldman, John Hurt, Colin Firth, Mark Strong
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