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Struensee-Affäre

Der Arzt, der Dänemarks Königin verführte

Der dänische Berlinale-Beitrag "En kongelig affære" bietet Geschichte in bester englischer Tradition. Mads Mikkelsen gibt den Aufklärer, der zu viel wollte.
62. Berlinale:



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Der König von Preußen war ein wirklicher Aufklärer. Er schaffte die Zensur ab und die Folter, gründete Waisenhäuser, beschränkte die Macht der Kirchen und des Adels. Er las Rousseau und Voltaire. Und handelte danach.

 

Leider hieß dieser König von Preußen nicht Friedrich (in dem hatte sich mit dem Machtantritt 1740 das Licht der Aufklärung in eine ziemliche Funzel verwandelt). Er hieß Johann Friedrich Struensee (1737-1772), Leibarzt und Geheimer Kabinettsminister Christian.VII. von Dänemark.

 

Ein Bürgerlicher, Arzt erst im damals dänischen Altona, anonymer Verfasser gefährlicher aufklärerischer Schriften, ein Deutscher, der am Hofe Christians.VII. binnen kürzester Zeit aufstieg: zur bestgehassten Figur und eigentlichem Herrscher Dänemarks (weswegen ihn Christian gern „König von Preußen“ nannte), zum Geliebten der Königin Caroline und Vater ihres zweiten Kindes.

Großer Politikimport aus Deutschland

Ein fantastischer Stoff. Man mochte ihn immer schon sanft verpacken und in die Hände britischer Filmemacher legen, weil die aus so etwas historische Filme machen, in denen Geschichte in ihren Brüchen und Leidenschaften lebendig wird, in denen die Kamera historische Figuren solange liebkost, bis sie Menschen werden.

 

Muss man jetzt nicht mehr. Die Dänen haben sich in Person des Regisseurs Nikolaj Arcel der Geschichte ihres größten Politikimports aus Deutschland selbst angenommen und sich damit filmisch unabhängig erklärt von England. „En kongelig affære“ (Die Königin und der Leibarzt) ist ein Labsal im Wettbewerb der Berlinale. Wie atemberaubend konventionelles Erzählen nach einer Woche im diesmal doch ziemlich falben Experimentallabor namens Wettbewerb doch wirken kann, wenn es derart perfekt und bis in die letzte Note der Begleitmusik auf den Punkt durchgeführt ist. Wie ein Schachspiel stellt Arcel alle Beteiligten auf, lässt sie die Züge gehen, die ihnen die Geschichte zu ziehen aufgegeben hat. Und alle werden sie Menschen.

Die Zeit wird aufgehoben, die Musik steht still

„En kongelig affære“ ist keine Heiligengeschichte. Arcel lässt Mad Mikkelsen mit stoischem Gesicht und gnadenlos aufrechter Haltung durch alle Aggregatzustände dieses Lehrstücks von Aufstieg und Fall eines Aufklärers gehen, der zu viel wollte, alle Liebe, alle Macht, alle Freiheit – gegen alle Chancen und Realitäten.

 

Struensee bemächtigt sich erst des kindlichen Königs Christian. Anschließend bemächtigt er sich der Königin. In einer der wunderbarsten Szenen beginnt die Affäre. Sie umkreisen sich, sie tanzen, sehen sich starr an, die Blicke werden weicher, ihr Blick wird verzweifelt. Die Zeit wird aufgehoben, die Musik steht still. Das geht nicht gut aus, weiß man, wenn man es nicht vorher wusste. Die Reaktionäre putschen, der Aufklärer verliert den Kopf, die Königin ihre Kinder und alle Achtung, der König seinen Thron. Und trotzdem ist man wahnsinnig glücklich, dass man dabei sein durfte. So was geht nur im Kino.

 

Wiederholungen:  Haus der Festspiele, Freitag, 11 Uhr; Friedrichstadt-Palast, Freitag, 15 Uhr; Berlinale-Palast, 19.2., 16 Uhr 

 

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