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Filmkritik

"Burlesque" wird zur Groteske - trotz Cher

Christina Aguilera gibt in "Burlesque" an der Seite von Cher ihr Schauspieldebüt. Doch ob sie gut ist, wird nicht klar. "Burlesque" ist eine verunglückte Idee, fast schon ein seelenloses Projekt - mit einem schönen Augenblick.
Burlesque



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Christina Aguilera war einer der größten Stars im zurückliegenden Jahrzehnt. Doch ihr letztes, Electro-lastiges Album "Bionic" floppte. Nun wirkt "Burlesque", Aguileras Debüt als Filmschauspielerin, wie eine mit Weitblick in Stellung gebrachte Geheimwaffe aus dem Hause Sony Pictures, im Kampf um die Fans der einst hoch profitablen Künstlerin von Sony Music Entertainment.

Denn "Burlesque" hakt sich im selben Referenzsystem unter, wie "Lady Marmelade" - einer der ersten großen Aguilera-Hits aus dem Soundtrack von "Moulin Rouge" - und das letzte erfolgreiche Aguilera-Album "Back to Basics": im klassischen Entertainment aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Das heißt: wir befinden uns zwischen Zirkus und Nachtclub, wo Pop auf die Namen Soul und Jazz hört und selbst in Striptease-Lokalen der entscheidende Rest der Fantasie überlassen wird. In Zeiten der Krise blickt man gern verklärt zurück.

So erzählt "Burlesque" die Geschichte von der Verwandlung der Kleinstadt-Kellnerin Ali (Aguilera) in den strahlenden Star eines New Burlesque-Clubs in Los Angeles. Wie die echte Christina Aguilera, die sieben Jahre alt war, als sich ihre Mutter von ihrem gewalttätigen Vater scheiden ließ, hatte auch Ali eine raue Kindheit. Zu kämpfen gibt es für Ali als Erwachsene genug, denn die Club-Managerin Tess (wer, wenn nicht Cher?) begegnet der Neuen mit Skepsis. Ohne Frage hat der Barmann und heimlich talentierte Komponist Jack (Cam Gigandet) Hintergedanken, wenn er Ali bei sich schlafen lässt, und wo wir uns schon in der Traditionskette von "La Bohème" (1896) bis "Moulin Rouge" (2001) befinden, darf ein Unternehmer (Eric Dane) nicht fehlen, der Ali mit Geschmeide bezirzt und Tess samt deren Club durch ein seelenloses Immobilienprojekt ersetzen will.

Doch leider ist "Burlesque" selbst von solch einem seelenlosen Projekt kaum zu unterscheiden. Ein Drehbuch, das so eine wertkonservative Wiederaneignung der frivolen Erwachsenenunterhaltung aus dem Geist der Emanzipation hätte werden können, wurde von Videoclip-Regisseur Steve Antin zur Stichwortsammlung ausgedünnt. Konsequenterweise legt er in der vermeintlichen Rücksichtnahme auf moderne Sehgewohnheiten ein unfassbares Tempo vor.

Das wirkt in diesem Kontext, der sich auf den Entertainment-Begriff einer langsameren Zeit bezieht, genauso deplaziert wie der digital hinzugefügte Grauschleier, der den Club-Szenen ihren verqualmten Look verpassen soll. Was als "Burlesque" gedacht war, wird zur Groteske. Der Film hält in seiner künstlerischen Hilflosigkeit einer Industrie und ihren Protagonisten den Spiegel vor. Genres und bis zur Erschöpfung kopierte Referenzen werden nur angezapft, weil zur Neubelebung das Vermögen fehlt. Zum Glück liefert "Burlesque" den Weg aus der eigenen Sackgasse mit.

Während Aguilera weder Raum noch Zeit bleiben, um schauspielerisch positiv oder negativ aufzufallen, kommt die Kamera wenige Minuten lang auf Tess und ihrem Kostümbildner Sean (Stanley Tucci) zur Ruhe. In ihren Haltungen, Blicken und Stimmen liegt eine Größe, die den Zuschauer in Sekunden für das Drama auf eine Weise einnimmt, wie es allen Überwältigungsstrategien vorher und nachher nicht gelingt.

Der menschliche Faktor erscheint einmal mehr als einzige mögliche Rettung in einer funktionalen Welt. Auf wundersame Weise erzählt "Burlesque" also doch seine Geschichte - als verunglückte Idee von etwas, das ein Film hätte werde sollen.

Musical: USA 2010, 118 Min., von Steve Antin, mit Christina Aguilera, Cher, Eric Dane, Cam Gi-gandet, Stanley Tucci, Kristen Bell

Zweite Meinung: Harald Peters fand "Burlesque" herrlich und fordert Oscars für alle. Lesen Sie seine Kritik hier.

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