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Filmkritik

"Der Freischütz" macht auch im Kino eine gute Figur

Es kracht, es knallt, Blut spritzt, Erde fliegt, Körper fallen. Dazu gibt es nicht das üblich akustische Hollywoodkampfgemetzel als Hammersoundtrack.



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Nein, die "Freischütz"-Ouvertüre, vorangetrieben von Daniel Harding und dem London Symphony Orchestra, entwickelt ihre Mystik, ihre Gewalt und ihren jubelnden Schluss. Schließlich taucht - als Schatten oder von hinten - Napoleon auf, der am Vortag der Völkerschlacht bei Leipzig unweit Dresdens Station gemacht hat.

 

So verknüpft der Regisseur Jens Neubert im allerneuesten Opernfilm Weltgeschehen und Musiktheaterhistorie. Verfilmt wurde "Der Freischütz" bisher erstaunlicherweise noch nicht, obwohl die Gespensterhandlung bestens fürs Kino geeignet scheint. Das Werk hat in den letzten Jahren aber vermehrt in der auf den Volksstoff zurückgehenden Fassung von Robert Wilson und Tom Waits als rockiges Grusical Furore gemacht, das oftmals in seiner Bildsprache auf den deutschen Expressionismus-Stummfilm à la "Das Cabinet des Doktor Caligari" Bezug nimmt.

 

Das aber wollte nun Jens Neubert nicht. Sein Opernfilm hat unübersehbar einen Bildungsanspruch. Ihn trägt über weite Bildstrecken die stimmige Besetzung. Ein Glücksfall lässt den baritonal grundierten Michael König (Max) und den darstellerisch vollsatten Michael Volle (Kaspar) mit filzigem blonden Haargewölk und nicht mehr jungen, ausdrucksintensiven Gesichtern wie ungleiche Brüder erscheinen: der eine schwach, zweifelnd, eben noch auf der guten Seite; der andere, zynisch, brütend, sich dem Bösen ausliefernd.

 

Dem steht das gar nicht so liebliche Geschehen im Försterschloss gegenüber, die reife Juliane Banse als Agathe und das Ännchen der erst 23-jährigen Regula Mühlemann korrespondieren wunderbar. Hier können Arien auch als Rückblenden erzählt werden. Das Finale wird handfest inszeniert, mit dem Abzug Napoleons, dem Jägerchor im Geweihsaal in Moritzburg und mit dem großartigen Franz Grundheber als gütigem Landesherr und René Pape als knorrigem Eremit. Hier misstraut kein Regisseur Webers C-Dur. Noch einmal aber beginnt die unauffällig entfesselte Kamera Harald Gunnar Paargards zu schweben, mitten in den sächsischen Nachthimmel hinein.

 

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