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Wengenroth, der raffinierte Kompressor, schafft es an einem kurzen Abend. Verpackt in viel Musik bringt er ganze Denkgebäude auf die Knackpunkte. Konzentriert werden wir informiert, nicht ohne Witz belehrt und mit nachwirkenden Fragen versorgt. Die Schauspieler - diesmal Christoph Gawenda, Ulrich Hoppe, Sebastian Nakajew und Felix Römer - sind komödiantische Sprechkünstler und tolle Sänger. Wird doch die Nietzsche-Rhethorik kontrapunktiert mit philosophisch durchwirkten Popsongs. "Zarathustra"-Entertainment.
Schulmeister Wengenroth ist schlau, aber auch ehrfürchtig genug, mit seiner "Übermensch-Revue" nicht an diesem Monument der Philosophie herumzukritteln. Aber er spielt gekonnt humorig mit ihm und sorgt mit seiner Show für ein ordentliches Quantum an Lebens- wie Menschenerkenntnis. Das ist allerhand in 100 Minuten.
Der Mensch sei ein Seil, das über einem Abgrund geknüpft ist zwischen Tier und Übermensch, so Nietzsches berühmtes Sinnbild, das ein gefährliches Unterwegs imaginiert. Oder Absturz. Deshalb die "Also-sprach"-Reden im Affenkostüm oder nackt oder im Gegenwarts-Dress. Und auf der leeren Bühne ein Felsen: Zum Hochklettern, Herumrutschen, Herunterfallen. Dazu Fragen um Eigen- und Nächstenliebe, ob das Böse in uns wohne ("Ja!"), was der Mann sei ("Ich will!") und was das Weib ("Er will!"). Und was das brauche: Die Peitsche. Eine spannende Vorlesung: Zum Staunen, Schweigen und Kichern. Am Ende macht Wengenroth den Über-Regisseur im Domina-Kostüm mit Peitsche, wähnt sich swingend als "klasse Hengst der Theaterregie" und träumt von der Teilnahme am nächsten Theatertreffen. Bravo!
Schaubühne-Studio , Kurfürstendamm 153. Tel. 89 00 23. Termine: 1., 9., 11.2.
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