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"Captive"

Brutal und real: Isabelle Huppert als Geisel

Der philippinische Regisseur Brillante Mendoza dürfte einer der wenigen Filmemacher sein, die ihren strikten Kino-Blick auf die Welt und die darin vorkommende Gewalt ausgerechnet "journalistisch" nennen - als zeigten Filme wie "Kinatay", was übersetzt "schlachten" heißt, lediglich das, was so im Allgemeinmenschlichen eben der Fall ist. Und warum auch nicht?
Cast member Huppert poses during photocall to promote movie



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2009 war die Empörung in Cannes jedenfalls groß, als Mendozas Chronologie eines Mordes an einer Prostituierten, die ihre "Schulden" nicht bezahlt hatte, mit dem Regiepreis ausgezeichnet wurde. Zu weit, zu nah ging vielen die gezeigte Grausamkeit.

 

Schon für dieses Nachtstück schöpfte Mendoza aus dem realen Erlebnis eines Bekannten. Dass er nun für sein Entführungsdrama "Captive" erstmals einen internationalen Filmstar in den dokumentarischen Schraubstock seiner pekuniären Peinigungen klemmt, könnte man also als einen Schritt weg vom allzu Authentischen hin zur etwas mehr Stilisierung lesen, würde es sich bei dem Star nicht um Isabelle Huppert handeln. Figuren in Situationen jenseits des Aushaltbaren sind schließlich Madames Spezialität.

 

Huppert spielt die französische Sozialarbeiterin Thérèse Bourgoine, die zusammen mit einer Gruppe anderer ausländischer Gäste 2001 auf einer philippinischen Ferieninsel von muslimischen Abu-Sayyaf-Rebellen gekidnappt wird.

 

Es geht alles ganz schnell, Seitenblicke der Wackelkamera registrieren flüchtig, wie die Leute schreien und bitte schnell noch Hose und Schuhe anziehen wollen, wie die Kidnapper Schmuck einstecken und sich anschließend auf dem Boot kaputtlachen, als einer der Gefangenen grobmotorisch ins Wasser fällt. Eigentlich hatten sie es ja auf die lukrativeren Mitarbeiter der Weltbank abgesehen, aber die waren schon abgereist. Kommentar eines Entführers: "Nicht schon wieder eine Missionarin, für die zahlt kein Mensch". Der Film basiert auf Augenzeugenberichten, nach Mendozas Recherchen sollen mehr als 100 Menschen in jenem Jahr gekidnappt worden sein.

 

Als Isabelle Huppert schon ganz und gar durchsichtig wirkt und nichts mehr will, schwebt da der sichtlich computeranimierte Paradiesvogel Sarimanok ein, ein Glückssymbol des Islam.

 

Wiederholungen 13.02., 12 und 20.30 Uhr, 15.2., 15 Uhr, und 19.2., 21.30 Uhr, Berlinale-Palast

 

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